Geschichte

Die Geschichte des Feuerlöschwesens in Karlstadt

Vor 1868

Wenn wir in den zahllosen Archivbänden der Stadt Karlstadt blättern, in Verordnungen, Protokollen und Tagebüchern, angefangen vom hohen Mittelalter, dann finden wir eine ganze Fülle von Nachweisen, wie ernst auch Bürgerschaft und Rat in dieser Stadt das Feuerproblem genommen haben. Es gab regelrecht ausgearbeitete Brandordnungen wie etwa die vom Jahre 1512 die den Titel trägt: „Ordenung und Gebott, wie und was sich eine jede Gezünfte und Bürger alhie in Fewersnoten halten solle“.

So wissen wir, dass die „Häckersknechte“ die Sturmglocke zu läuten und durch Herbeischaffeung von Löschwasser Kirche und Rathaus vor Funkenflug und eventuellen Übergreifen des Feuers zu schützen haben. Den „geschworenen Stadtschützen“ oblag in voller Uniform die Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit in der Stadt im Katastrophenfall, außerdem die Absperrung des Brandplatzes.

Daß sich bei der vorherrschenden Holzbauweise der Häuser und Scheunen die noch dazu im befestigten Mauering der Stadt recht eng beisammen standen, ein Brand verheerend auswirken musste, ist klar. Daher verstehen wir auch die zahlreichen Ratserlässe, die das Tragen von offenen Lichtern und Fackeln in den nächtlichen Gassen mit schweren Strafen bedrohten. Oder die immer wiederholten Kontrollgänge der Bürgermeister mit jeweils dazu abgeordneten Ratsherren – genau das also, was heute unsere Feuerbeschau darstellt. Brandmeister in den vier Stadtvierteln, die durch die Hauptstraße, die Maingasse und die Schnellergasse (die heutige Alte Bahnhofstraße) begrenzt wurde, waren jeweils die Viertelmeister.  Sie waren auch verantwortlich für die zahlreichen Brunnen in den einzelnen Vierteln, deren Standorte wir großenteils aus zahllosen Archivnotizen und vor allem aus den seit dem Jahre 1400 erhaltenen Protokollbüchern der geschworenen Steinsetzer kennen. Und wenn uns noch heute da und dort 9n den Gassen unserer lieben alten Stadt auffallend breite „Zwischenwinkel“ zwischen den Häusern begegnen, dann waren das die sogenannten Feuergassen, die Durchlässe zu den Brunnen.

Wir erinnern beispielsweise an jene Feuerordnung von 1728, die den Titel trägt: “Eine Wohledlen Raths erneuerte Feuer-Ordnung“. Von heute gesehen sind all diese  Dinge zwar manchmal amüsant in ihrer primitiven Zeitbedingtheit. Aber sie zeigen uns doch in bester Weise, mit welchem Ernst auch unsere Vorfahren im alten Karlstadt an die Probleme der Sicherung und Erhaltung von Leben und Eigentum aller Mitbürger herangingen.

Auf drei Karlstadter Türmen saßen die Brandwächter. Vor allen Hauseingängen hatten die großen Kufen mit Löschwasser bereitzustehen. Die vorgeschriebenen Löscheimer aus Leder hingen gleich innerhalb der Haustüren.

Lediglich aus der Zeit der schwedischen Besetzung ab 1631 erfahren wir, dass im 30 jährigen Krieg 1648 innerhalb der Stadt weit mehr abgebrannte Anwesen als etwa nach dem unseligen Kriegsende von 1945 waren.

Die Geschichte der heutigen Feuerwehr

Die Karlstadter Freiwillige Feuerwehr verdankt den Anstoß zu ihrer Gründung dem 1862 nach Karstadt berufenen Kgl. Bezirksamtmann Wiedemann. Noch im gleichen Jahr erließ dieser energische und weitblickende Beamte einen öffentlichen Aufruf, anstelle der bestehenden, in vieler Beziehung recht primitiven Pflichtwehr eine solche auf freiwilliger Basis zu gründen. Die anfänglich großen Schwierigkeiten verstand Wiedemann mit zäher Ausdauer zu meistern. Es fehlten die Mittel für Geräte, Fahrzeuge und Uniformen. An der Finanzfrage schien das ganze Verfahren zu scheitern.

Im Juni 1865 ließ Weidemann eine Bürgerversammlung im Rathaussaal einberufen, auf der er die Notwendigkeit und den Wert gemeinsamer Selbsthilfe im Brandfällen überzeugend darlegte. Spontan erklärten sich 52 Bürger zum Beitritt bereit. Die eigentliche Gründung allerdings kam erst drei Jahre später zustande. Mehrere Spendensammlungen bie der Bürgerschaft brachten allmählich einen kleinen Grundstock. Eine Versicherungsgesellschaft stiftete eine Pumpenspritze. Wiedemann arbeitete nach dem Muster der Würzburger Feuerwehr Statuten aus, die dann bei der ersten Generalversammlung im Januar 1869 angenommen wurden. Erster Kommandant wurde der Sprengmeister Andreas Schuchbauer. Der Vorstandschaft gehörten an der Kaminkehrer Karl Steinicke, die Zimmerleute Philipp und Franz Strohmenger, der Schieferdecker Georg Schneller, der Schlosser Johann Fischer, der Seiler Michael Fleischmann usw.

Im Herbst 1869 bildete sich ein „Comité zur Förderung der Feuerwehr“, das sich vor allem die finanzielle Seite angelegen sein ließ. Freiwillige Spenden der Comité-Mitglieder, der Karlstadter Bürgerschaft,  mehrere benachbarten Gemeinde usw. ermöglichten immerhin eine bessere Ausrüstung. Zunächst erwarb man günstig 50 ausgemusterte lederne Infanteriehelme, die man selbst entsprechend umarbeitete.

Verschiedene vereinsinterne Gründe führten jedoch bald zum Erlahmen des anfänglichen Eifers. 1874 mußte sogar wieder eine zusätzliche Pflichtwehr eingeführt werden, die bis 1908 noch bestand. Mit der Wahl des Magistratsrats Philipp Kessler (er war der Besitzer des heutigen Kaufhauses Keller am Markt) im Jahr 1875 übernahm ein Mann von starker Tatkraft die Karlstadter Wehr. Bis zu seinem Tod im Jahr 1908 blieb er Kommandant. Aus seiner 33jährigen Amtszeit liegen fasst lückenlose Protokolle vor. Rund 100 Mann stark waren die aktiven Wehrleute. 1879 fand in Karlstadt der Unterfränkische Feuerwehrtag statt. Aus diesem Anlaß fertige Jean Dietz ein großes Gruppenfoto vor der Rathaustreppe an, das heute im Vereinslokal „Würzburger Hof“ hängt.

1880 bereits musste die Wehr über das Bezirksamt an den Stadtmagistrat ein Gesuch um weitere Anschaffungen richten. Der Erfolg war, dass anstelle der ledernen Messinghelme beschafft wurden, aber immer noch zwei Dutzend zu wenig. Kaum anders war es mit Uniformröcken, Gurten u. Karabinerhaken.

Aus Anlaß des 20jährigen Bestehens der Wehr konnten 1888 noch folgende aktiven Gründungsmitglieder geehrt werden: Leopold Müller, Michael Flasch, Martin Grätz, Anton Knapp, Georg Schneller, Michael Zübert und Franz Strohmenger. Das 25jährige wurde dann 1893 in großem Rahmen gefeiert, mit Feuerwehr, elektrischer Festplatzbeleuchtung (ermöglicht durch das Zementwerk) usw. Staunende Zeugen dieser für 1893 echten Sensation waren über 500 Wehrmänner aus 41 Gemeinden des heutigen Landkreises. Übrigens: Der Liter Festbier kostete 25 Pfennige.

Anno 1910 kam schließlich eine gewaltige Erleichterung für unsere Feuerwehr: Die Wasserleitung mit 58 Oberflur-Hydranten im Altstadtbereich. Wenig später, direkt vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges, hatten die Stadt auch das jetzige alte Feuerwehrhaus mit Schlauchtrockenturm beim Amtsgericht erbauen lassen. Bis dahin waren alle Geräte im Erdgeschoss des Rathauses – mehr schlecht als recht – untergebracht gewesen.

Eine wesentliche Modernisierung des Löschwesens brachte das Jahr 1929: Motorspritzen, die der Bezirkstag (heute Kreistag) anschaffte. Die Entwicklung führte folgerichtig zu den modernen Tanklöschfahrzeugen, die unsere Wehr heute den Ruhm einer fast sagenhaft schnellen Schlagkraft eingetragen haben, zumal auch ausbildungsmäßig viel geleistet wird.

Ziviler Bevölkerungsschutz und schnelle Hilfe ist heute mehr denn je zuvor vornehmste Aufgabe der Feuerwehr in Katastrophenfällen. In Karlstadt hat man Vorbilder in jenen zahlreichen oft tagelangen Einsätzen der Fernbereitschaft, die Konrad Biener während des Zweiten Weltkriegs organisiert hatte, zusammen mit dem unvergessenen Emil Schäfer. In Frankfurt, Nürnberg, Schweinfurt in Stockstadt, Aschaffenburg und schließlich in jenem chaotischen 16. März 1945 im brennenden Würzburg leisteten dies Männer unter Einsatz ihres Lebens Übermenschliches.

Und als anfangs April des gleichen Jahres die eng gedrängte Altstadt von Karlstadt selbst unter amerikanischem Artilleriebeschuß lag und in mehreren Straßen Reihenbränden tobten, war infolge der Brückensprengung die Wasserleitung unterbrochen. Mit welchen Schwierigkeiten waren die Löschversuche verbunden! Bis zur Erschöpfung arbeiten die Männer, um das Feuer wenigstens einzudämmen. Dem Main konnte Löschwasser nicht entnommen werden, da sein Ufer unter Beschuß lag. Also griffen man notgedrungen auf Brauereiquellen und auf das Wasser der Gaskesseln der Energieversorgung zurück. Dabei war das vorhanden Schlauchmaterial streckenmäßig mehr als knapp. Es fehlte an erfahrenen Feuerwehrmännern. Die standen irgendwo im militärischen Einsatz. Alte Männer, soweit sie nicht in der ländlichen Umgebung geflüchtet waren, sprangen mutig in die Bresche und versuchten zu retten, was zu retten war. Ihnen gebührt im historischen Rückblick hoher Dank.

Das umfangreiche und wohlgeordnete Archiv der Stadt Karlstadt enthält zahlreiche Verordnungen, Ratsprotokolle und Aufzeichnungen aus dem letzten halben Jahrtausend, die das Problem des Feuerschutzes und das Löschwesens im Stadtbereich betrifft.